Kinder haben beim „Inklusiven Zeltlager“ alle Hände voll zu tun

31. Ausgabe des Inklusiven Zeltlagers

„Was zur Hölle! Spinnt Frau Holle?“

 

Die Märchenwelt steht Kopf – beim „Inklusiven Zeltlager“ von Kreisjugendring Haßberge (KJR) und Lebenshilfe Haßberge e.V. in Baunach

Bereits bei der Ankunft wurden die 46 Kinder mit und ohne Behinderung von Märchenfiguren empfangen – und es war schnell klar, um welches Thema sich die zehn Tagen drehen werden. Das ehrenamtliche rund 20-köpfige Team um Lagerleitung Nina Brech (KJR Haßberge) und Jonas Erickson (Lebenshilfe Haßberge e.V.) hatte sich wieder eine Menge für die Kinder einfallen lassen. Das Märchen-Motto „Was zur Hölle! Spinnt Frau Holle?“ wurde kreativ ausgestaltet und in abwechslungsreiche Erlebnisse für die Teilnehmer*innen verpackt.

 

„Das gesamte Team ist wirklich super! Sie stecken so viel Zeit, Herzblut und Engagement in das Inklusive Zeltlager. Die phänomenalen Ideen und Theatereinlagen, jeweils zum Motto passenden selbstgeschriebenen Lieder, phantasievollen Kostüme und Konstruktionen, welche manchmal bis in die Morgenstunden gebastelt und perfektioniert werden sowie die vielen Aktionen und Workshops – alles kommt vom Team und wird eigenständig vorbereitet und umgesetzt.“, schildert Eva Pfeil, KJR-Geschäftsführerin und Kreisjugendpflegerin. „Die Aktivitäten beim Inklusiven Zeltlager sind alle so aufgebaut, dass sie nur gemeinsam in der Gruppe gelöst werden können. Inklusion wird von Beginn an gelebt, ein Miteinander von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung ist für uns ganz selbstverständlich. Bei der Umsetzung kann sich das Team aufeinander verlassen – alle arbeiten Hand in Hand, mit vollem Engagement für die Sache.“, erklärt Nina Brech. „Der Leitgedanke `Jeder Mensch ist anders und hat seine eigenen Stärken und Schwächen´ wird auch vom Team gelebt. Wir wollen den Kindern Gemeinschaft vorleben und so in eine Vorbildrolle schlüpfen.“, unterstreicht Jonas Erickson. Unterstützung bekommt das Team im Hintergrund von den KJR-Vorstandsmitgliedern Petra Erickson und Caroline Petersen sowie von KJR-Geschäftsführerin Eva Pfeil. Für die tägliche Stärkung und Verpflegung von Kindern, Team sowie allen hungrigen Märchenfiguren, sorgte das Küchenteam.

 

Die Hauptfigur, um die sich in den zehn sehr warmen und sonnigen Tagen alles drehte, war Frau Holle. Täglich gab es zum Frühstück Märchengeschichten und Frau Holle erschien am Fenster und schüttelte ihre Betten aus. Doch von Tag zu Tag wurde Frau Holle verwirrter, brachte vieles durcheinander und schüttelte z.B. Eisbonbons statt Schneeflocken aus ihren Kissen. Auch die Märchenwelt spielte nach und nach verrückt. Die Kinder trafen u.a. auf ein um Wasser tanzendes Rumpelstilzchen und ein männliches Schneewittchen. Spannung darf beim Inklusiven Zeltlager nicht fehlen. „Die Kinder wurden auch heuer wieder stark gefordert und bekamen spannende Aufgaben gestellt.“, verrät Jonas Erickson. Die „Medizin“ von Frau Holle – der geheimnisvolle „Vielsafttrank“ – ging ihr zur Neige und sie brauchte für die Herstellung die Hilfe der Kinder. So mussten sie beim Lagerspiel verschiedenen Märchenfiguren wie z.B. Rapunzel, einer Nachfahrin des gestiefelten Katers und Rotkäppchen helfen, um an die Zutaten für den „Vielsafttrank“ der deutlich verwirrten, geschwächten Frau Holle zu kommen.

 

Viele kinder- und jugendgerechte Aktivitäten sorgten in den zehn Tagen für eine abwechslungsreiche Zeit: Ein Wandertag mit anschließender Wasserolympiade, ein Besuch im Freibad Zapfendorf und im Märchenbad in Neustadt bei Coburg, Picknicks, Workshops (Blumentöpfe bemalen, Batiken, Kochen, eigenes Märchen schreiben, Holz hacken,…), Lagerfeuer mit Gitarre & Gesang, Brettspiele und „Die Werwölfe vom Düsterwald“-Runden, Nachwanderung mit Sterne gucken, Langschlaftag, Kinoabend, Bergfest, ein bunter Abend und natürlich durfte auch eine Lagerdisco nicht fehlen. Ein Highlight war auch der Besuch einer Märchenerzählerin aus Bayreuth. Nach der großen Erzählrunde am Lagerfeuer zum Thema „Märchen aus aller Welt“ mit Riesen und Zwergen, bei der die Kinder gebannt zuhörten, gab sie noch Gruselmärchen zum Besten.

 

Aber was hatte es nun mit der verwirrten Frau Holle auf sich? „Den Kindern wird nach und nach klar, dass mit der vermeintlichen Frau Holle etwas nicht stimmt. Es stellte sich heraus, dass sich Frau Hölle mit Hilfe des Tranks lediglich als Frau Holle getarnt hatte. Sie wollte die Macht der Märchenwelt an sich reißen – und hat die Hilfsbereitschaft der Kinder ausgenutzt.“, fasst Nina Brech zusammen. Beim Nachtstationslauf ging es dann um alles. Die sechs Zeltgruppen lieferten sich ein spannendes Rennen mit Frau Hölle. Sie mussten Frau Hölle aufhalten und verhindern, dass sie für immer zu Frau Holle wird. Außerdem mussten sie die echte eingesperrte Frau Holle finden, befreien und den Bann brechen. Auf ihrem Weg durch den Märchenwald begegneten sie vielen Märchenfiguren, u.a. das in den Wolf verliebte Rotkäppchen, den spielsüchtigen Hans im Glück, das lateinamerikanisch tanzende Rumpelstilzchen, das faule Schneewittchen und die von ihr genervten sieben Zwerge, den Froschkönig der mit seiner Prinzessin vom Erlös der goldenen Kugel eine Kneipe eröffnet hat, einen veganen Wolf der fleischlos glücklich lebt – und am Ende Frau Hölle. „Die Kinder haben es natürlich in letzter Sekunde geschafft. Sie haben Frau Hölle besiegt, Frau Holle gerettet und die Märchenwelt wieder in geordnete Bahnen gelenkt. Und am Ende gab´s für alle eine große Party!“, berichtet Jonas Erickson.

 

2022 fand das Traditionszeltlager mit gelebter Inklusion am Pfadfinderzentrum in Baunach statt. Das mit dem Gesundheitsamt Haßberge abgestimmte Schutz- und Hygienekonzept ermöglichte ein relativ normales Zeltlager. Die Kinder wurden direkt vor der Abfahrt und während des Zeltlagers getestet. Zwei Teammitglieder haben zudem eine Schulung beim Gesundheitsamt zur Testabnahme besucht.

 

Das Zeltlager von Kreisjugendring Haßberge und Lebenshilfe Haßberge e. V. wurde 2022 bereits zum 31. Mal veranstaltet und durch den Bayerischen Jugendring aus Mitteln des Bezirks Unterfranken gefördert. 2023 findet es von 7. bis 16. August statt. Weitere Infos zum „Inklusiven Zeltlager“ gibt es beim Kreisjugendring Haßberge, Promenade 5, 97437 Haßfurt, Tel. 09521 – 610136, www.kjr-has.de.

 

Team Inklusives Zeltlager 2022:

Lagerleitung: Nina Brech (München), Jonas Erickson (Erlangen)

Küche: Johanna Reinhard (Bamberg), Ursula Eckert (Ebern)

Zelt-Betreuer*innen: Anna Gebhardt (Knetzgau), Dorothee Mücke (Goßmannsdorf), Elsa Caupert (Goßmannsdort), Kerstin Viering (Limbach), Louis Seits (Maroldsweisach), Lukas Vogel (Bamberg), Matthias Holzinger (Haßfurt), Paul Petersen (Schweinfurt), Philipp Steinert (Hilpoltstein), Sarah Kennedy (Burgpreppach), Sarah Stretz (Oberhaid), Sebastian Kraus (Stralsbach), Ulrich Schnös (Knetzgau)

Springer*innen und Helfer*innen: Caroline Petersen (Haßfurt), Julius Kraus (Münster), Paul-Philip Gläser (Untertheres), Ronja Schmidt (Ebelsbach)

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